Reggae Jam Vol. 1 – Zwischen Kommerz und Verachtung

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Erhältlich im Media Markt ist auch der Sampler „Reggae Jam Vol. 1“, welcher zwar weder offen homophob noch indiziert ist, wohl aber Musiker aus dem Genre der von uns so betitelten „Hassmusik“ supportet. Neben kommerziell auch sehr erfolgreichen Musikern wie Shaggy oder UB40 finden sich auf der Zusammenstellung also auch Stücke von Beenie Man und Buju Banton.

Zusammen mit  Musikern wie Capleton und Sizzla gehören Beenie Man und Buju Banton zur Speerspitze menschenverachtender Musik. 

Unter anderem im Rahmen der Stop Murder Music Kampagne wurden Beenie Man´s Lieder wegen offener Antihomosexualität kritisiert. Sie enthalten laut Amnesty International USA Zeilen wie: „I’m dreaming of a new Jamaica, come to execute all the gays“ („Ich träume von einem neuen Jamaika, wo sämtliche Schwulen hingerichtet werden“). Er wird unter anderem vom deutschen Lesben- und Schwulenverband als Mitverursacher für eine Hetzkampagne gegen Schwule in Jamaika verantwortlich gemacht, die zu einem schwulenfeindlichen Klima beitrage, dessen Auswirkungen bis zu brutalen Morden reichten, da der in seinen „Songs offen zum gay bashing (Schwulenklatschen) und gar zur Tötung schwuler Männer [aufruft]“.

Als Reaktion auf diese Kritik, die unter anderem in den USA zu Konzertabsagen durch MTV und Virgin führte, wiesen seine Konzertveranstalter auf Beenie Mans Unterschrift unter den so genannten Reggae Compassionate Act hin, mit der er sich von homophoben Liedtexten distanziert hätte. In Jamaika bestritt Beenie Man im Juli 2007 diese Selbstverpflichtung („And mi neva sign it, yuh hear sah.“) und erklärte zugleich, dass es keinen Bedarf an homophob motivierte Gewalt und Morde gebe, aber dass er einen „schwulen Lebensstil“ nicht unterstütze, weil er diesen für unheilvoll halte: „We don’t need to kill dem. We just need fi tell the people dem the right ting because I not supporting a gay lifestyle because it’s not wholesome to me.“ Manche Beobachter in der jamaikanischen Presse sehen in seiner Aussage, es sei nicht nötig, Schwule zu töten, die Aussage, es sei „falsch“, dies zu tun.

Buju Banton veröffentlicht Stücke wie Boom Bye Bye, in dem es heißt:

The world is in trouble
Anytime Buju Banton come
Batty boy get up and run
ah gunshot in ah head man
Tell dem crew… it’s like
Boom bye bye, in a batty boy head,
Rude boy nah promote no nasty man,
them hafi dead.

Batty Boy ist eine Ausdrucksweise der Jamaikanischen Kreolsprache (Patois), die einen homosexuellen Mann beschreibt. In Boom Bye Bye fordert Banton also die regelrechte Hinrichtung (Schuss in den Kopf) homosexueller Menschen. Auch in jüngerer Zeit, als geplante Konzerte in Deutschland bekannt wurden, kam es zu Protesten, Konzertabsagen und einer Kampagne des LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V.).

Auch nach Druck seines Labels entschuldigte Banton sich nicht für diesen Text und reihte sich neben zum Beispiel Bounty Killer und Beenie Man in die Liste der Autoren homophober Lyrics ein. In Folge dessen engagierte sich Banton allerdings für die Benutzung von Kondomen. Ein entsprechender Tune findet sich mit Willy Don’t Be Silly dann auch auf dem 1993 auf Mercury veröffentlichten Longplayer Voice of Jamaica, mit dessen Erscheinen auch die Stiftung Willy ins Leben gerufen wird, die sich um HIV-positive Kinder kümmert.

Nach dem Tod eines engen Freundes, der 1995 bei einer Schießerei ums Leben kam, wandelte sich Banton vom Jungkünstler mit offensiven Texten zu einem bekennenden Rastafari, der sich in seinen Liedern von Slackness- und Gunlyrics abwendet und zunehmend spirituelle und gesellschaftliche Umstände thematisiert.

Buju Banton kann sich bis heute nicht gänzlich der Kontroverse vor allem um Boom Bye Bye entziehen, da er – ungeachtet verschiedener Proteste – in Jamaika noch immer teilweise homophobe Texte singt. Außerdem wird er beschuldigt, fortgesetzt und tatkräftig in die seiner Meinung nach durch seine Religion gerechtfertigte Diskriminierung homosexueller Männer einzustimmen.

Nach vehementen Protesten u.a. deutscher Schwulen- und Lesben-Organisationen gegen seine Battyman-Tunes wurde 2004 die Hälfte der in jenem Jahr angesetzten Auftritte in Deutschland abgesagt.

2006 meldete er sich nach 2-jähriger Pause mit dem Album Too Bad zurück. Mit Too Bad findet Banton zurück zu seinen musikalischen Wurzeln: Es ist sein erstes reines Dancehall-Album seit 1993 und wurde für den Grammy unter „Bestes Reggae-Album 2007“ nominiert.

Die Bundesregierung prüfte 2008 eine Indizierung seiner Platten.

 

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Eine Antwort to “Reggae Jam Vol. 1 – Zwischen Kommerz und Verachtung”

  1. Jürgen Zehnle Says:

    Homophobie unter dem Logo des LSVD

    Öffentliche Anfragen an den LSVD !
    Ist der LSVD „Mittäter“!?

    Heute ist bereits der 11. Tag an dem der LSVD sein Logo fröhlich und “fromm” auf dem Internetradio präsentiert, das noch vor Tagen im Namen der “Gemeinschaft der Homo-, Bi- und Transsexuellen” mindestens 31 Mal homophobe Interpreten spielte und meinte UNS damit “aufklären und weiterbilden” zu müssen.

    Der LSVD streitet aber bis heute jede “Mittäterschaft” (noch setze ich das Wort in Anführungszeichen) ab und weigert sich seit 8 Tagen strikt, sein Logo dort zu entfernen. Ich frage mich, wer soll da noch an den wahren Absichten des LSVD glauben, wenn er sein Logo immer noch stolz auf diesem Internetradio (der Inhaber ist übrigens auch LSVD-Mitglied) präsentiert?

    Den vollen Text gibt es hier:
    http://www.gay.zehnle-server.com/fkra/homophobie/0912-lsvd/lsvd-1oeffentliche-anfrage20100108ra.pdf

    Den gesamten Fall (bereits zwischen 30-40 A4-Seiten kann man hier verfolgen:
    http://www.rosa-archiv.de/thema.php

    Ein Interview vom 10.01.2010 gegeben dem gayRADIO Schweiz ist hier zu hören:
    http://www.rosa-archiv.de/archiv/homophobie/radioundtv/index.php

    Ich danke für Eure Aufmerksamkeit

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